Wir wachen früh auf und führen unsere Reise gut gelaunt hinunter ins Tal fort. Schon jetzt sind wir überwältigt und fragen uns, wie jeder Tag in Island nur immer wieder eine neue, ganz eigene Schönheit bereithalten kann. Die Sonne scheint, die Luft ist ruhig und das Tal empfängt uns in vollkommener Windstille. Am Steg im Fjord von Renaðsfjörður werden wir Zeugen einer zauberhaften Szene: Wolkenschleier hängen in den Bergen, die Sonne tanzt auf dem Wasser, und wir sehen tatsächlich Feuerquallen, die anmutig, fast episch durchs Wasser gleiten. Wir sind voller Ehrfurcht und spüren inmitten dieser Magie auf einmal, wie sehr wir unser Zuhause und unsere Lieben vermissen. Besonders Jürgen spürt an diesem Ort das Band nach Zuhause sehr stark, da er vor einigen Jahren genau hier bereits einmal mit seinen Kindern war. So haben wir beide das Gefühl, als würden wir nicht nur zu zweit hier sitzen, sondern gemeinsam mit unseren Kindern, die gedanklich den Moment mit uns teilen.



Wir reißen uns von den Feuerquallen los und fahren weiter zur Spitze des Fjords. Die Aussicht ist atemberaubend und jeder Blick ist wie ein kleiner Glücksmoment. Unterwegs sammeln wir besondere Steine, probieren Blaubeeren und finden Pilze am Wegesrand. Auf dem Weg zurück nach Egilsstaðir und Bakkafjörður haben wir plötzlich das Gefühl, als würde sich ein Kreis schließen: Wir haben es einmal um Island herum geschafft. Die Straße führt durch ein Tal genau gegenüber der Höllnheidi entlang. Die Erinnerungen an die ersten Etappen unserer Reise kommen zurück und wir schmunzeln über unsere damalige Blauäugigkeit. Wir überwinden den gigantischen Bergkamm Dyrfjöll und erblicken dahinter ein Tal, welches uns mal wieder Sprache verschlägt. Wir sind in Bakkafjörður angekommen, im Reich des Elfenkönigs und der Elfenkönigin.
In Bakkafjörður fahren wir mit den Fahrrädern durchs Tal zum Puffinfelsen. Doch dann bemerkt Jürgen, dass einer seiner Reifen platt ist. Wir sind so dankbar, denn es ist der letzte Reiseabschnitt und so lange haben uns unsere Räder bereits gute Dienste erwiesen. Wir flicken den Reifen provisorisch. Am Felsen sind nur noch Möwen, die Puffins sind bereits aufs offene Meer gezogen, wo sie die nächsten Monate verbringen werden. Nur ein einsames, junges Puffin sitzt still und wartet. Auch dieser Moment erinnert uns an unsere Kinder Zuhause, die ebenfalls geduldig darauf warten, bis wir wieder zurückkommen. Island war für uns jeden einzelnen Tag der Reise überwältigend, wunderschön und stärkend zugleich. Trotzdem mischen sich Heimweh und Sehnsucht nach Hause immer mehr dazu.








Zurück auf dem Campingplatz erklimmt Silke den Elfenberg, spürt die dortige mystische Atmosphäre und genießt den Sonnenuntergang über der Landschaft. Die Nacht wird kalt und sternenklar. Um 1 Uhr nachts spürt Silke, dass sie das Zelt verlassen und nachsehen muss, ob sich die Nordlichter zeigen. Sie entdeckt einen gigantischen, weißen Schleier am Himmel, weckt Jürgen und wir wissen sofort: Die Nordlichter beginnen. Eine Stunde lang stehen wir in der eisigen Kälte, bewundern das tanzende Licht am Himmel und sind voller Dankbarkeit, dass wir dieses magische Schauspiel erleben dürfen.






Wir sind glücklich, dass wir diesen Traum als Team verwirklicht haben – Jürgen, Silke, Pielow, Johanna und Mirja. Die Freundschaft, die zwischen Silke und Jürgen in der Reha in Hamborn entstanden ist, hat diese Reise erst angestoßen. Die Energie des Tages und dieser Reise, die Schönheit der Natur, die Gemeinschaft, genau das möchten wir allen mitgeben, die dies lesen: Träume nicht nur zu träumen, sondern sie zu leben. Genauso wie das Tattoo einer jungen Isländerin, die wir vor ein paar Tagen im Hot Pot getroffen hatten: „Don’t dream it – do it.“