Über das Projekt

Nach Jürgens Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose im Februar 2022 und der anschließenden, steinigen Genesungsphase hat er beschlossen, seine Erfahrungen in ein Projekt zu verwandeln: mit dem Fahrrad Island zu durchqueren. Diese Reise ist nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern auch eine Chance, auf den Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Früherkennungsmerkmale aufmerksam zu machen und anderen Erkrankten und deren Angehörigen Mut zu machen.

Im August 2025 wird Jürgen 3 Wochen lang gemeinsam mit einer kleinen Gruppe die Natur Islands mit dem Fahrrad bereisen. Eine Reise, die ebenfalls sinnbildlich für den Kampf gegen den Krebs steht. Genauso wie in der langen Genesungszeit wird es auch in Island über Stock und Stein sowie Berg und Tal gehen. Dieses Projekt ist deshalb weitaus mehr als nur eine Fahrradtour. Sie ist ein Symbol für die Hoffnung, nach Rückschlägen wieder aufzustehen und dem Leben wieder zu vertrauen.

Mit der Fähre wird es von Hirtshals, Dänemark nach Seyðisfjörður, Island gehen. Von dort aus beginnt die Fahrradtour direkt mit der ersten Herausforderung: der Pass von Seyðisfjörður mit einer Steigung von bis zu 10-15%. Von dort aus geht es in den Norden Islands, nach Raufarhöfn zum Arctic Henge, nach Mývatn zum Mückensee, durch das Hochland nach Vík í Mýrdal und schließlich über die Ringstraße nach Reykjavik.

Über Jürgen

Jürgen auf dem Fahrrad

„Mein Name ist Jürgen. Ich bin dreifacher Vater, Island-Begeisteter und Bauchspeicheldrüsenkrebs-Überlebender aus Lübeck. 2022 wurde bei mir Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt. Diese Diagnose, die Auswirkungen der Erkrankung und die Nachwirkungen der Operation haben mein Leben komplett auf den Kopf gestellt.

Heute ist mein Alltag anders als vor der Erkrankung. Es hat lange gedauert, bis ich nach der OP wieder laufen konnte und genug Energie hatte, um meine Tage zu meistern. Mit der Zeit ist in mir deshalb der Gedanke gereift, mich nach der Erkrankung alten und neuen Herausforderungen zu stellen, um mein zweites, geschenktes Leben wirklich zu nutzen.

2023 kam mir die Idee, mit dem Fahrrad Island zu bereisen. Während der kräftezehrenden Zeit der Genesung war Island immer ein Leuchtfeuer für mich und die Gedanken an die Insel haben mir Hoffnung geschenkt und Mut gemacht, nicht aufzugeben. Ich bin dankbar, dass ich heute wieder Fahrrad fahren kann und möchte mich nun der Herausforderung stellen, Island mit dem Fahrrad zu bereisen.

Ziel dieser Reise ist es, anderen Erkrankten, aber auch deren Angehörigen Mut zu machen, nicht aufzugeben. Auch wenn das Leben insbesondere mit einer Krebserkrankung von Rückschlägen geprägt ist, gibt es vieles, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Die Reise durch Island wird deshalb für eine Metapher für den hügeligen, steinigen aber auch durchaus hoffnungsvollen Weg durch eine Krebserkrankung stehen. Außerdem steht diese Fahrradreise im Zeichen der Aufklärung für den Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Den Bauchspeicheldrüsenkrebs überleben in Deutschland nur ca. 10 % und das ist der Grund, weshalb ich auf ihn aufmerksam machen möchte. Frühzeitige Untersuchungen können zu rechtzeitigen Diagnosen führen und damit möglicherweise Leben retten.“

Der ADP

Um sich für Erkrankte und Angehörige sowie für die Aufklärung rund um den Bauchspeicheldrüsenkrebs einzusetzen, ist Jürgen außerdem als Regionalgruppenleiter Schleswig-Holstein im Arbeitskreis der Pankreatektomierten (AdP) tätig.

Der AdP gibt Hilfestellung bei Themen rund um die Bauchspeicheldrüse sowie zur Rehabilitation und bietet Erkrankten, Angehören und Interessierten die Möglichkeit, sich auszutauschen und Erfahrungen zu teilen.

Diese ehrenamtliche Tätigkeit ist für Jürgen eine Herzensangelegenheit, durch die er die Chance hat, noch mehr über die Bauchspeicheldrüse und das Leben nach einer einschneidenden Erkrankung zu lernen.

Jürgen auf dem Fahrrad
Jürgen auf dem Fahrrad

Rudern gegen Krebs

Seit 2024 macht Jürgen außerdem bei Rudern gegen Krebs mit, eine Initiative von Leben mit Krebs. Gemeinsam mit anderen Erkrankten nimmt er wöchentlich am Rudertraining teil, bei dem er sich mit seinen Mitrudernden für Benifizregattern vorbereitet, die mehrmals jährlich stattfinden.

Neben der frischen Luft, der Bewegung und dem Miteinander hat Jürgen im Rudern ein Hobby gefunden, das ihm und seinem Körper gut tut. Die Möglichkeit, Teil eines Teams zu sein und gemeinsam für eine gute Sache zu rudern, erfüllt ihn. Übrigens: Rudern gegen Krebs gibt es an zahlreichen Standorten.

Begleitung

Dr. Silke Korich

Kinder- und Jugendpsychiaterin und -psychotherapeutin

„Mein Name ist Silke, bin 55 Jahre und habe 2 wunderbare erwachsene Söhne, mit denen ich immer viel gereist bin und auch heute noch reise. Ich lebe und arbeite an der Müritz, liebe die Natur und bin begeisterte Kajak- und Radfahrerin. Selten war ich krank, immer neugierig und offen für Neues und in Bewegung. 2022 wurde bei mir ein malignes Melanom entdeckt, zum Glück noch in einem sehr frühen Stadium, so dass eine Operation ausreichend war.

Die Wunden sind gut und schnell geheilt und die körperlichen Einschränkungen dadurch waren vorübergehend. Schwieriger war die Bewältigung der Angst vor weiteren Herden. Seit dem Tod sowohl meiner Mutter als auch meiner Tante an Bauchspeicheldrüsenkrebs weiß ich, dass auch ich eine genetische Disposition für diverse Krebserkrankungen habe. Die Angst davor nicht die Oberhand gewinnen zu lassen war eine schwerere Aufgabe als die Wundheilung.

Für mich ist die Epigenetik mindestens so wichtig wie die Genetik und je länger ich mich damit beschäftige, wird sie immer wichtiger. Ich bin überzeugt, dass wir mit der Art und Weise, wie wir unser Leben verbringen, einen riesigen Einfluß auf unsere Gesundheit haben. Was wir essen und trinken, wie aktiv wir sind, wie oft wir lachen, wie gut wir ein ausgewogenes Maß finden zwischen Aktivität und Ruhe, womit wir uns und anderen Gutes tun :-). Ich habe immer viel gearbeitet und mich als Kinder- und Jugendpsychiaterin und -psychotherapeutin viel und gerne um meine PatientInnen und ihre Familien gekümmert. Nach einer Pause zur Besinnung arbeite ich wieder sehr gerne, nur nicht mehr so viel wie früher, um Zeit für mich, meine Familie und Freunde zu haben und mir eben auch Träume zu erfüllen, die nicht bis zur Rente warten können.

Während meiner Reha habe ich Jürgen kennengelernt und von seinem Plan erfahren, 2025 mit dem Fahrrad Island zu entdecken. Da war so ein Glizzern in seinen Augen, als er von Island erzählte. Seine Begeisterung hat mich angesteckt und sein unbeugsamer Wille, das Projekt umzusetzen imponiert mir. Als Betroffene mit einer Krebserkrankung werden plötzlich die Karten neu gemischt, Prioritäten verschieben sich und man hat keine Zeit für später. Eigentlich gilt das ja für Jeden und doch schiebt man vielen Dinge oft auf. Auf der Reha gab es einen weisen Mann, der uns beigebracht hat, das Wichtige wieder vom Dringenden zu unterscheiden. Das versuche ich meinen Kindern beizubringen, neben dem Ziel, gute Menschen zu sein.

Meine Mutter und meine Tante hatten leider nicht mehr viel Zeit, nachdem der Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Ihnen festgestellt wurde. Es ist so eine tückische Erkrankung, die oft zu spät entdeckt wird. Ich bin sehr froh,dass Jürgen ihr die Stirn gebieten konnte! Er mußte mich nicht lange bitten, ihn auf seiner Reise zu begleiten. Ich teile seine Idee, anderen Menschen mit dieser Reise Mut zu machen, sich trotz Erkrankung „auf den Weg“ zu machen.

Seit wir das Projekt planen, erlebe ich, wie viel Kraft die Tage gewinnen, wie viel Freude und positive Energie die Vorbereitung bringt. Island – eine Insel der Gewalten, schön und rauh, die uns mit dem Fahrrad Einiges abverlangen wird. Viele, die von unserer Tour erfahren haben, haben Bedenken geäußert, Sturm, Regen, Berge, karge Landschaften, kein Fahrradland, kein Supermarkt im Osten … Und dennoch … Motivation und die Hoffnung, sich seine Träume zu erfüllen, ist so stärkend und trägt erheblich zur Genesung bei.

Ich bin dabei! Wir lassen uns das Leben nicht nehmen und freuen uns über alle, die uns unterstützen und begleiten wollen.“

Dr. Hans-Ulrich Pielow

Lehrer, Islandreiseleiter und Geologe

Beim diesjährigen Osterfeuer sprach mich Jürgen an – wir kannten uns bis dahin noch nicht – und erzählte mir von seiner geplanten Islandreise. Er habe gehört, ich sei ein einigermaßen erfahrener Island-Reiseleiter, und fragte, ob ich mir vorstellen könne, bei seinem Projekt in irgendeiner Weise mitzuwirken.

Jürgen ist ein Mensch mit großer Überzeugungskraft und spürbarer Begeisterung. Aus meinem ursprünglichen Angebot, einige Informationen über Island beizusteuern, wurde überraschend schnell eine Einladung, die gesamte Reise mitzumachen. Und nun stehe ich hier, in Hirtshals im Norden Jütlands, wenige Stunden vor der Abfahrt der Fähre nach Island. Die Freude darüber ist groß.

Meine Beziehung zu Island begann vor 37 Jahren während meines Geologiestudiums in Göttingen: die große Geländeexkursion. Unser damaliger Busfahrer – wir kannten ihn nur als „Diddi“ – erzählte uns jungen Studierenden, dass es nur zwei Arten von Islandreisenden gebe: die einen, die das Land nach ihrer Reise wirklich abgrundtief hassen, und die anderen, die sich hoffnungslos verlieben. Er warnte uns: Wenn man ein zweites Mal nach Island komme und es immer noch liebe, dann sei man für den Rest des Lebens verzaubert – und müsse immer wieder zurückkehren. Ich kann bestätigen: Er hatte recht.

Um meiner Islandsehnsucht nachgeben zu können, bin ich vor 25 Jahren selbst Reiseleiter geworden. Seitdem bin ich mindestens einmal pro Jahr über die Insel gereist – und bringe gerne all die dabei gewonnenen Erfahrungen in dieses Reiseprojekt mit ein.

Wenn ich nicht gerade unterwegs nach Island bin, arbeite ich als Geographie- und Chemielehrer an der Waldorfschule in Lübeck. Ich kann das Klima erklären und die Vulkane – meinen Namen tanzen kann ich bis heute leider nicht.